Glatteis im November, Motorräder im Mai, Lastwagen, die den Pass als Abkürzung missverstehen. Die Semmeringstraße ist älter als die Südautobahn und ehrlicher. Kein Tunnel, der die Geografie löscht. Man merkt, dass man steigt.
Maria Schutz, dann der Scheitel, dann Mürzzuschlag — Namen, die nach Fahrplan klingen, nicht nach Urlaub. Genau deshalb gehört die Strecke ins Buch. Sie hält den Alltag aus.
Wer nur die A2 kennt, kennt den Semmering als Schild. Wer die alte Straße fährt, kennt den Geruch von nassem Wald und Bremsstaub.
Wechsel
Der unauffälligere Bruder. Weniger Hotels, mehr Wind. Im Herbst liegt Laub in den Kehren wie Öl. Winterreifen nicht verhandeln, auch wenn Wien noch grau statt weiß ist.
Wir fahren diese Runde, wenn die Alpen zu weit sind und die Wohnung zu nah. Zwei Stunden raus, zwei zurück. Dazwischen Kaffee in einem Gasthaus, das nicht fotografiert werden will.
Was man lernt
Auf der Hausstrecke lernt das Fahrtenbuch, nicht zu übertreiben. Keine Sätze über das Erhabene. Stattdessen: welche Kehre nach Regen glatt ist, wo das Licht im Dezember ausgeht, wann die Motorräder den Sonntag besitzen.
Das ist unspektakulär. Es ist die Grundlage für jeden Pass, der weiter weg liegt.
Winter
Ketten nur, wenn man sie im Hof schon einmal aufgezogen hat. Nicht in der Kehre bei Schnee zum ersten Mal die Anleitung lesen. Bei Schneefall die Autobahn nicht aus Stolz meiden — und die Passstraße nicht aus Gewohnheit nehmen.
Plan B ist erlaubt. Die Hausstrecke ist kein Beweis, dass man „immer durchkommt“.